Irgendwas ist immer

InsomniaIch sitze im Zug und bin unterwegs. Am Ziel angekommen geht‘s direkt ins Hotel. Kurz an die Hotelbar und dann ab aufs Zimmer. Noch schnell das „Do not Disturb“ Schild aufgehängt um ein wenig Privatsphäre zu ergattern, denn das Schild ist alles was von meiner Privatsphäre übrig geblieben ist. Mein Zimmer sieht aus wie überall und ich überlege kurz wo ich bin. Berlin Hamburg oder doch Bamberg ? Das Design gibt mir leider keine Antwort darauf wo ich  bin, sondern nur in welcher Hotelkette ich diesmal untergebracht bin.

Ernüchterung macht sich breit und ich lege mich ins Bett.
Die Zeit scheint stehen zu bleiben und ich drehe mich hin und her. Alles klar Schafe zählen, funktioniert nicht,und im Fernsehprogramm läuft nur noch Hitler,  Bahnstrecken der Welt oder „F*ck mich“ Werbung. Trotz mehreren Versuchen in den persönlichen Stand By Modus zu wechseln heisst es dann doch: Einschlafen-Fehlanzeige!

Irgendwann schaffe ich es dann doch. Anders kann ich mir nämlich mein entrücktes Verhalten nicht erklären als der Wecker klingelt und klingelt und klingelt.

Ich wanke zur Dusche und lasse mir das Wasser über meinen Körper perlen. Während ich also unter der Dusche stehe und meine Stirn langsam aber stetig den Fliesen näher kommt,
merke ich auf einmal wie müde ich dann doch bin. Na toll erst die Nacht nicht einschlafen können und dann als ich gerade hätte schlafen können  muss ich aufstehen. Es hilft aber alles nichts also: Los Los!  Und am Ende des Tages heisst es dann wieder:
Ich sitze im Zug und bin unterwegs…..

Einmal Kassel und zurück

Dieser Beitrag ist entstanden durch ein spontan entstandenes Zeitfenster. Dieses Zeitfenster hatte ungefähr die Dauer von Frankfurt/Main bis Kassel-Wilhelmshöhe ohne Zwischenhalt und von dort nach Stuttgart. Denn eigentlich wollte ich nach Stuttgart, mein Zug hatte aber andere Pläne. Gemerkt habe ich das aber erst in dem Moment als die Türen zugingen und wir losrollten. Genau Freitagnachmittag und ich steig in den falschen Zug. Somit wurde wieder mal eindeutig bewiesen, dass meine Schwester und mich nicht nur unsere Eltern, sondern auch unsere Verpeiltheit eint.

Immerhin hab ich die BC100 dabei gehabt sonst, hätte mich der Spaß außer Nerven und Zeit auch noch kanpp 50 Euro gekostet. Zur Erinnerung: Anstatt Frankfurt–Mannheim–Stuttgart habe ich mich unfreiwillig, aber selbstverschuldet, für die Strecke Frankfurt–Kassel-Wilhelmshöhe–Frankfurt–Darmstadt–Bensheim–Weinheim– Heidelberg–Stuttgart entschieden. Die Rückfahrt von Kassel konnte ich auch nur durch Verhandlungsgeschick antreten, da der Schaffner wegen Überfüllung niemanden mehr reinlassen wollte. Ach ja, nach dem Wochenende habe ich Projektsitzung. Ihr ahnt schon wo – genau in Kassel!

Von Platzhirschen und imaginären Handtüchern auf Sitzplätzen

Seit kurzem gehöre ich ja zu den Pendlern. Das heisst, ich wohne in Stuttgart und mein Arbeitsplatz ist eben nicht in Stuttgart, sondern in Frankfurt. Aus Kostengründen und aus Bequemlichkeit, eigentlich hauptsächlich wegen der Bequemlichkeit fahre ich mit dem Zug und nicht mit dem Auto. Ich kann lesen, schlafen und Frühstücken.
Alles Dinge, die als Autofahrer nur unter akuter Lebensgefahr zu bewerkstelligen sind.

Doch mittlerweile kann ich sagen, auch Zugfahren ist mit unter nicht ungefährlich. Zum einen liegt das an der Qualität des Kaffees, der eine sehr stark verdauungsfördernde Funktion hat und in Verbindung mit dem Toilettenmobiliar eine prisante Mischung gibt.

Zum anderen liegt es aber auch and der Handtuchmentalität der Berufspendler. Was ich nicht wusste, aber ganz schnell feststellen musste, ist, dass neue Pendler nicht gleich Anspruch auf einen Sitzplatz haben. Denn es gibt ja schließlich Pendler, die machen das schon Jahre lang und haben so was wie Besitzstandswahrung oder gut organisierte Reservierungsgemeinschaften.

Oh Deutschland, was wärst du ohne deine Handtuchmentalität?
Falls ihr Euch je gefragt habt, wo trainieren die eigentlich für ihren Urlaub, na ja zum einen im Supermarkt an den Kassen, die fortgeschrittenen trainieren aber schon morgens zwischen 6 und 8 in den Zügen.

Einige Methoden habe ich bereits erkannt. Die begehrten Sitzplätzte, von denen ich rede, sind die BahnComfort-Plätze. Diese BahnComfort-Plätze berechtigen Vielfahrer, welche den Comfort-Status innehaben, dort auch ohne Sitzplatzreservierung einen Sitzplatz zu beanspruchen. Als Dankeschön sozusagen.

Methode 1
Der Drängler
Pendler wissen wo der exakte Haltepunkt der Tür ist. Sie versammeln sich dort und aufgrund der Schwarmintelligenz funktioniert das Einsteigen im Reissverschlussprinzip eigentlich optimal. Denn der Drängler meint es eiliger als alle anderen Passagiere zu haben, um einen Platz zu bekommen. Mit einer „lassen sie mich durch, ich bin Arzt“-Mentalität und ausgefahrenen Ellenbogen kämpft er sich durch den Zug. Er ist meist ein Einzelkämpfer und reserviert nicht für andere. Die anderen Rudeltiere, eh Pendler, strafen ihn mit Missachtung, aber er gewinnt seinen Sitzplatz.

Methode 2
Das klassische Handtuch
Es gibt Züge, die Starten erst in Stuttgart und werden meist 10 bis 20 Minuten vor Abfahrt am Gleis bereitgestellt. Meist in Wochenabständen wird in dem Fall ein Handtuchverteiler ausgewählt, der die freien Sitzplätze direkt belegt. Natürlich werden im Zug keine Handtücher genommen, aber Handtaschen. Rucksäcke und Kleidungsstücke schaffen so einer Pendlergruppe von bis zu 6 Personen einen Sitzplatz. Als Dankeschön für die Sitzplatzbereitstellung wird meist in Worten gedankt und mit einem koffeinhaltigem Heissgetränk gehuldigt.

Methode 3
Der Platzhirsch
Auch hier lässt sich ein bestimmtes Muster erkennen. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass die Bahncomfort-Plätze alle belegt sind. Die Person scannt hierzu oberflächlich die Passagiere ab. Erkennt die Person jemanden, der nicht in aussieht wie ein Berufspendler, wird zielgerichtet angsprochen, ob diese Person überhaupt BahnComfort-Status besitzt. Wenn das der Fall ist, wird in hartnäckigen Fällen ein erneuter Scan durchgeführt und das Spiel wiederholt sich. Ist die angesprochene Person jedoch kein Bahncomfort-Kunde, wird diese lautstark aufgefordert, unverzüglich den Platz zu räumen. Der Gewinner des Sitzplatzes erhält jetzt anerkennendes Nicken und erntet Lob.

Es gibt bestimmt noch mehr solcher Stereotypen von Berufspendlern und Reservierungsexperten, wenn ihr also welche kennt, her damit.

Ich bin dann ma wech und überleg mir ne Sitzplatzstrategie, die nicht auf Kleinkrieg im Zugabteil basiert.

Gesprächsfetzen im ICE – „Ich hatte einen Schwarzen und drei linke Chaoten“

Irgendwo zwischen Berlin und Stuttgart. Ich sitze im Zug auf dem Weg nach Hause. Ich sitze an einem 4er mit Tisch und bin genervt von zu vielen Stunden im Zug. In meinem Wagon befinden sich seit dem letzten Halt mehrere Polizisten. Natürlich müssen die übermotiviertesten mit Schussweste, Pfefferspray und Waffe am Anschlag genau gegenüber von mir Platz nehmen. Die Augen verdrehend will ich mich meiner Agonie und Langeweile weiter hingeben. Doch meine angeborene Neugier lässt es nicht zu und ich beginne den Gesprächsfetzen, die im Wagon umherschwirren zu lauschen. Am Anfang immer noch gelangweilt und dann immer geschockter.
Polizist A: Also ich hatte letze Woche einen Schwarzen und drei linke Chaoten.

Polizist B: So, also bei mir liefs net so gut, ich hatte nur einen Chaoten, aber der hat sich dafür gewehrt. Der durfte sich dann erstmal hinlegen.

Polizist A: Ah kenn ich, die verstehen einfach keine andere Sprache.
Ein Mitreisender klingt sich in das Gespräch mit ein.

Mitreisender: Ah, die Polizei dein Freund und Helfer, aber hier im Zug mit Schussweste. Is was besonderes?

Polizist A: Ne, nur normale Arbeitskleidung.

Mitreisender: Ich muss ja mal sagen, die Polizei wird ja immer mehr multikulti. Ich hab jetzt sogar schon dunkelhäutige bei Euch gesehen, aber wenns die in unserer Nationalmannschaft schon gibt warum dann auch net bei der Polizei.
Die Polizisten lachen.

Der Schaffner sagt den nächsten Halt an und die Polizisten und der Reisende  verlassen den Wagon Richtung Tür.

Wenn Polizisten anfangen, Rassistenbingo zu spielen, hört der Spass auf. Aber es passt ins Bild. Die NPD wird beschützt, ehemalige KKK-Mitglieder sind immer noch im aktiven Polizeidienst, die anhaltenden Skandale um den Verfassungschutz usw.

Die Zeiten werden rauer. Organisiert Euch! Antifaschismus und Aufklärung sind nötiger denn je.