Gesprächsfetzen im Zug oder ein ICE ist keine Anwaltskanzlei

Als Zugpendler habe ich ja schon Einiges erlebt. Die Spanne reicht von Platzhirschverhalten, unnötigen Beleidigungen über nette Bekanntschaften oder der eigenen Verpeiltheit bis hin zu rassistischen Gesprächsfetzen. Von Gesprächsfetzen handelt auch der heutige Beitrag. Genervt von PendlerInnengedränge und in der Erwartung irgendwo im Gang mich bequemen zu müssen, bin ich zunächst erfreut über die Tatsache, dass ich trotzallem einen Sitzplatz ergattern konnte. So weit so gut. Ich ziehe also meine Jacke aus und will gerade meine Kopfhörer aufziehen, um mir die Reisezeit mit Musik zu verkürzen, als mein Sitznachbar zu seinem klingelden Telefon greift. Weiterlesen

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Keinen Meter!

Es ist Samstag, der 25.05.2013 6:00 Uhr morgens als der Wecker klingelt. Müde aber motiviert stehe ich auf. Der Auftrag ist klar: Die Nazis wollen marschieren und wir werden blockieren! Landesweit wurde unter dem Motto „… Den Nazis keinen Meter!“ zu Blockaden aufgerufen. Also los, Essen und Trinken einpacken. Die Kamera bleibt diesmal zu Hause, dafür wird der Notizblock eingepackt. Auf zum Zugtreffpunkt und los geht’s.

Planung ist das halbe Leben.

Am Zugtreffpunkt warten ca. 100 AntifaschistInnen mit mir gemeinsam auf den Zug. Der Zug kommt, wir steigen ein und die Fahrt beginnt. Kaum haben wir den Bahnhof verlassen, werden auch schon Zettel mit wichtigen Informationen verteilt, wie z.B. die Nummer der Demosanis oder die Telefonnummer des Ermittlungsausschusses (EA). Außerdem wird eine Karte rumgereicht, die das Umfeld des Karlsruher Bahnhofs skizziert. Schnell wird klar, dass AntifaschistInnen organisiert zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen.

Eine Zugfahrt, die ist lustig!

Kurz vor Pforzheim kommt es allerdings zu einem lustigen bis fast skurillen Intermezzo. Anscheinend hat der zuständige Zugschaffner versucht, die Mitreisenden zu kontrolieren, was im aber nicht gelang. Also macht er das, was wahrscheinlich im Handbuch steht: In Pforzheim lässt er den Zug stoppen, holt die Polizei und versucht die Reisegruppe mit den Fahnen von der Fahrt auszuschließen. Nach ca. 15 minütigen mitunter lautstarken Verhandlungen entscheidet sich der Schaffner allerdings die „Reisegruppe“ weiterfahren zu lassen. Aufgrund der doch sehr gereizten Lautsprecherdurchsage vermute ich jedoch, dass diese Entscheidung nicht selbstbestimmt vom Schaffner getroffen wurde. Egal, die Fahrt geht weiter und verläuft ab jetzt ungestört bis zum Zielbahnhof in Karsruhe.

War das nicht der richtige Weg?

In Karlsruhe angekommen werden wir bereits erwartet: Mehrere Duzend schwer gepanzerte Einheiten der Bundespolizei sind anscheinend zur Amtshilfe für den Schaffner abgestellt worden. Denn nur wer einen gültigen Fahrausweis habe dürfe das Gleis in eine vorgegwbene Richtung verlassen. Nach einigen Minuten dürfen dann doch ohne weitere Vorkontrollen die DemonstrantInnen das Gleis verlassen. Durch Hamburger Gitter ist der Weg jedoch im Bahhofsgebäude vorgegeben. Da am Nachbargleis keine Gitter standen, ging es dann eben über das Nachbargleis zum geplanten Zielpunkt der Poststraße. Den hektisch wirkenden Beamten zur Folge und der Versuch diesen Gleizugang nachträglich abzusperren, ist allerdings zu entehmen, dass dies nicht die von der Stadt und Polizei geplante Route war.

Die Blockade steht.

Im Laufe des Vormittags sind alle möglichen Routen von AntifaschistInnen blockiert. Insgesamt über 2000 Menschen beteiligen sich an den Blockaden. Jetzt heißt es abwarten. Durch Skandieren von Parolen, Rütteln am Gitter und den Einsatz von Pyrotechnik wird immer wieder deutlich, dass der Antifaschistische Protest entschieden und kämpferisch ist. Die Stimmung ist gut! Alle Blockadepunkte stehen. Doch die Polizei rüstet merklich auf. Greiftrupps streifen durch die Blockadepunkte, können jedoch mehrfach daran gehindert werden, einzelne AntifaschistInnen heraus zu greifen. Der Schlagstock sitzt jetzt jedoch um einiges lockerer und auch die Luft wird häufiger mit Pfeffer angereichert. Es gelang der Polizei trotzdem einige AnitfaschistInnen fest zu nehmen.

Die Nazis laufen keinen Meter!

Es ist mittlerweile kurz nach 14 Uhr und knapp 200 Nazis stellen sich in dem  abgesperrten Bereich auf dem Bahnhofsvorplatz auf. Die Stimmung ist jetzt um einiges  aufgeheizter. Und obwohl es einige Male den Anschein hatte, dass die Polizei die Blockaden räumen wollte, gelang es ihnen nicht. Die Blockaden wurden erfolgreich gehalten und so blieb es dabei, dass die Nazis in Karlsruhe keinen Meter ihrer Demo durchführen konnten und nach einer Kundgebung auf dem Bahnhofsvorplatz Karlsruhe wieder verlassen mussten.

Antifa-Demo durch die Südstadt

Dieser Erfolg musste gefeiert werden! Und der beste Weg eine verhinderte Demonstration zu feiern ist … Na? Genau, eine Demonstration!
Nach der erfolgreichen Blockade versammelten sich deshalb über 400 AntifaschistInnen zu einer spontanen und kämpferischen Demonstration durch die Südstadt und wieder  zum Bahnhof zurück.Nach der Demo ging es dann direkt zum Zug Richtung nach Hause. Entspannt und auch ein wenig ausgelaugt machte es sich jetzt jeder bequem und freute sich auf das Wochenende.

War das schon alles?

Mein Papa hat mal gesagt: „Du bist erst zu Hause, wenn du zu Hause bist.“ Er meinte damit: Konzentriere dich bis zum Ende und geh nicht schon vorher in den Stand-By-Modus. Wie Recht er damit hat, wurde gerade gestern wieder deutlich. Weil die Nazis in Karlsruhe nicht marschieren konnten, suchten sie sich Alternativen. Eine davon war Mühlacker. Unser Zug fuhr durch Mühlacker und hielt dort sogar an. Es kommt sogar noch krasser: Genau diesen Zug hatte sich die Polizei ausgesucht, um die Nazis kontrolliert aus Mühlacker raus zu schaffen. Ihr könnt Euch vorstellen, dass die folgende Zugfahrt weder ruhig noch kontrolliert von Mühlacker bis Stuttgart ablief.

Pfefferspray in vollen Zügen genießen!

Pfeffersprayeinsatz und körperliche Gewalt seitens der Polizei war die Folge. Auch in Stuttgart angekommen wurden die Nazis von AntifaschistInnen lautstark in Empfang genommen und konnten nur durch starken Polizeischutz in die weiterführenden Züge geleitet werden.

Jetzt war aber wirklich alles vorbei und nach einem kurzen Abstecher ins Lilo ging’s dann auch nach Hause.

 

weitere Bilder von RiotDog-Louk gibt es hier und ein Bericht des AABS hier

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zugfahren ist wichtiger als…

Alltagsrassismus in Zügen, oder der Traditionalisten mit faschistischem Gedankengut ist leider keine Seltenheit mehr. Ich selbst habe davon schon berichtet. Einem Freund und Genossen von mir hatte jetzt ebenfalls ein Erlebnis der dritten Art was er in einem Erlebnisbericht geschildert hat. Aber lest selbst:

Ein Erlebnisbericht von Ryk 

Sonntag, 28.04.2013. Nächtliche Rückfahrt vom Linksjugend-[’solid]-Bundeskongress. Es ist unser vorletzter Zug von Stuttgart über Singen nach Konstanz. Zwei Gruppen bestehend aus ca. 15 jungen Männern steigen ein. Die erstere Gruppe, bestehend aus Fußball- und Frei.Wild-Fans ist relativ ruhig – fährt bis Rottweil. Die andere Gruppe hat Trachtenkleidung an. Auffällig laut sind letztere – das ist auch ok, wir sind schließlich keine Sittenwächter_innen, nur drei junge Linke.

Nicht nur durch Lautstärke und Trunkenheit fallen sie auf: Eine junge Amerikanerin läuft nichtsahnend in die Lederhosen hinein, und stellt auf Nachfragen fest, dass sie im falschen Zug ist. Anzüglich wird ihr „geholfen“: „I speak vaginalisch“, schlägt ihr aufdringlich zwischen schwanzfixierten Mackersprüchen und Gelächter entgegen – ich weiß nicht, ob es in dem Moment ihr Glück ist, dass Deutsch nicht ihre Muttersprache ist. Einer von uns erkundigt sich in Ruhe nach ihr. Zunächst zeigt auch einer der „Vernünftigeren“ Einsicht, dass das Verhalten eines Teils seiner Kumpels nicht in Ordnung ist.

Doch kaum, dass das Problem behoben scheint und die junge Frau aussteigt, schallmait es alle zwei Minuten mal mehr, mal weniger deutlich durch den Wagen: „Hau da, hau da, hau da – Ju(l)de, Ju(l)de, Ju(l)de“. Irgendwann wird klar, dass wirklich Juden gemeint sind. Sie skandieren „hau den Juden“. Oftmals motivieren sie sich mit Sätzen wie „tretet ihn“. Als dann „Schwuchteln und Zigeuner…“ gesungen wird, platzt mir die Hutschnur.

Ich weiß, dass wir zu wenige sind, um einzuschreiten. 10 Prolls gegen unseren Schlafmangel vom Sitzungswochenende ist halt prinzipiell eine schlechte Ausgangslage. Auch, um Argumente auszutauschen. Auf die restlichen Fahrgäste um uns herum scheinen wir auch nicht wirklich bauen zu können.

Ich suche also den Kontrolleur, den ich drei Wagen weiter finde. Der ist sichtlich schockiert über meine Schilderungen, sichert mir zu, sich um die Angelegenheit zu kümmern. Es stellt sich jedoch raus, dass auch er sich nicht im Stande fühlt, was gegen die jungen Rassisten zu unternehmen, außer ihnen kurz mit Rausschmiss wegen des Lärms zu drohen.

Nachdem der Zugbegleiter wieder verschwindet, sind Beleidigungen wie „Ausgeburt der Hölle“ und „fett und besoffen“ noch die harmloseren Sachen, welche sie sich untereinander an den Kopf knallen. Die antisemitischen Äußerungen werden vorübergehend etwas weniger. Die vier, fünf 15 bis 22-jährigen Frei.Wild-Fans halten die Trachten-Burschies für obercool. Irgendwann gröhlt ein Teil von ihnen deren Reime mit, bis sie in Rottweil aussteigen. Dass dem kleinen Rest der Menschen im Zugabteil der Mob von Faschos sichtlich unangenehm ist, scheint beide Gruppen nicht zu jucken.

Die Trachten-Prolls feiern sich noch, dass sie super drauf waren. Dann dämpft schließlich ihre Müdigkeit zeitweise die braunen Äußerungen. Wir müssen bis Endstation mit ihnen ausharren und sind erleichtert, als der Kopfbremsen-Burschenbund rund 20 bis 25-jähriger endlich am gegenüberliegenden Gleis verschwindet. Neben ihnen steht noch Sicherheitspersonal der Deutschen Bahn, das sich an den Sprüchen wohl nicht stört. Dagegen wird neben uns am Gleis ein betrunkener, verwirrter Mann von zwei genervten Polizisten etwas eindringlicher für sein nicht gerade angepasstes, wackeliges Dasitzen ermahnt. Als wir dem Anschlusszug zusteigen, verschwindet der Trachtenbund endlich aus unserem Sichtfeld, jedoch bleibt uns das mulmige Gefühl über deutsche Zustände und gesellschaftlich „akzeptablen“ Rassismus, Sexismus und Antisemitismus.

weitere Infos zu Ryk und der Story

Winterwunderland vs. Schneechaos

Chaos und Schönheit sind eng miteinander verknüpft. Insbesondere im Winter zeigt sich das immer wieder deutlich. Eine in Schnee gehüllte Landschaft ist einfach schön, fast schon unbeschreiblich. Ein Hauch von Unberührtheit weht durch die Luft. Alles ist bedeckt und weiß, wie eine dichte Puderzuckerschicht. Am liebsten wäre ich jetzt vor einem Kamin und würde die Landschaft genießen während das Feuer meine Füße wärmt…
Der ICE 599 aus Hamburg hat vorrausichtlich eine Verspätung von 60 min. Reisende mit dem Ziel Stuttgart nehmen bitte den EC 391 auf Gleis 7 mit Halt in Darmstadt, Bensheim, Kleinkleckersdorf…

Und da war er wieder, der Moment, in dem ich gemerkt habe, dass ich leider nicht vor dem Kamin sitze, sondern am Bahnhof. Winter und Schnee ist meist auch gleichzusetzen mit Chaos in der Verkehrsinfrastruktur. Straßen und Schienen sind verschneit, Blitzeis und zugefrorene Weichen lassen den Fahrplan nur noch als »grobe Empfehlung« durchgehen. Zugausfälle und Verspätungen mit über einer Stunde sind dann die Regel und nicht die Ausnahme.

Ich fasse zusammen: wunderschöne Landschaft vs. Verkehrschaos und ganz vielen wütenden Menschen. Und ich?
In Gedanken bin ich schon wieder am Kamin meine Füße am Wärmen. Ich mach die Zwangspause zur Chilltime und grinse in mich hinein. Chaos ist gar nicht schlimm und tut auch gar nicht weh. Es hilft uns dabei, zu reflektieren und gerade der Winter zeigt uns, dass Chaos auch wunderschön sein kann.

Zugerlebnisse

Schon häufiger berichtete ich über die gewissen Reiserituale von Berufspendlern. Aber im Zug sind ja nicht nur Berufspendler, sondern auch einfache Reisende auf dem Weg von A nach B. Es gibt so gewisse Momente im Zug, die entscheiden ob man sich die gesamte Reisezeit peinlich anschweigt, um einfach nur in Ruhe gelassen zu werden und oder ob die Reisezeit durch angenehme Gespräche aufgelockert wird. Das sind wundervolle Momente, die ich nicht missen möchte. Einen dieser Momente habe ich immer noch im Gedächtnis. Ich möchte diesen Moment gerne mit Euch teilen.

Der gemeinsame Streckenabschnitt Berlin Ostbahnhof bis Kassel Wilhelmshöhe

Alles beginnt mit einer Verwechslung. Ich steige ein und beginne, es mir bequem zu machen als ein herzliches „Hi, was machst du denn hier im Zug? Ist ja schön, dich mal wieder zu sehen!“, von hinten an mich ran rauscht. Ich blicke mich überrascht um und sehe erst mal nichts Bekanntes. Was ich aber höre ist ein leises Uuupps und ein wieder etwas lauteres aber unsicheres „Sorry, dachte sie wären jemand anderes.“  Sie setzt sich auf den Platz in die gleiche Reihe, aber auf die andere Seite des Zuges. Ihr versteht schon, eigentlich sitzen wir nebeneinander, wenn der Gang nicht dazwischen wäre. Der Zug fährt los und von Ostbahnhof bis Hauptbahnhof passiert nichts Spektakuläres und das „Ich kann nicht reden, ich bin im Zug.“-Gefühl kommt langsam auf. Die Situation ändert sich als in Hauptbahnhof ein Pärchen mich höflich fragt, ob es möglich wäre den Platz zu wechseln, damit sie nebeneinander die Fahrt verbringen könnten. Ich setz mich also um und sitze jetzt tatsächlich direkt neben der Person, die mich vorhin noch verwechselt hat. Jetzt kommt der entscheidende Moment, der über Anonymität in der Masse oder interessante Zugfahrt entscheidet. Mein Gegenüber muss das Gleiche gedacht haben, denn zeitgleich sagen wir fast wortgleich: „Damit es keine Verwechslungen gibt, ich bin im Übrigen … „. Wir lachen und das Eis ist gebrochen. Wir unterhalten uns über unnötige ICE-Haltestellen, Mehrgenerationenhäuser, Sozialauthisten, unsere Jobs und Familien. Die Zeit vergeht so schnell und ich weiß jetzt Bescheid über das üble Leben einer Berlinerin, die eigentlich Schauspielerin ist und um Geld zu verdienen zusätzlich als Schulassistentin arbeitet. Außerdem weiß ich, dass unserer Partner beide an Lactoseintolleranz leiden. Und das Wichtigste ist, wir hatten eine sehr angenehme  gemeinsam Zugfahrt, die für mich leider nicht schon in Kassel zu Ende war, sondern erst drei Stunden später in Stuttgart. Danach war der Platz bis Fulda frei und irgendwie verging die Zeit im Zug danach langsamer. In Fulda saß dann jemand Fremdes auf dem Platz und sofort war es wieder da das Gefühl der Beklemmung das „Ich kann nicht reden, ich bin im Zug.“-Gefühl. Die Chemie stimmte einfach nicht und ich war froh, alle Abwehrmechanismen, die mir zur Verfügung standen auch benutzen zu können. Von Fulda ab saß ich mit aufgesetzter Kapuze, Ohrhörern und meinem Buch abgeschottet in meiner eigenen Welt, um mich vor der immer langsamer vergehenden Zeit und den anderen Menschen im Zug zu schützen. Als ich dann endlich drei Stunden später zu  Hause ankam, erzählte ich wie unterschiedlich Zugfahren sein kann  und schlief schließlich total erschöpft ein.

Denn eins ist klar, egal ob ich neue Leute kennen lerne oder ich aktiv versuche, in der Masse unterzugehen: Wenn ich zu Hause die Tür aufschließe, kommt niemals das Gefühl „Ich kann nicht reden, ich bin zu Hause“-Gefühl, sondern das „Schön, dass ich endlich bei dir bin“-Gefühl.

Haben sie eine BahnComfort-Karte?

Ich weiß, ich seh echt nicht so aus wie der typische Business-Pendler. Im Regelfall trage ich auch keinen Anzug mit Krawatte. Über das typische Verhalten von Berufspendlern habe ich ja auch schon geschrieben. Aber irgendwann reicht es auch mir. Anfangs habe ich das Verhalten noch belächelt, aber dieses Mackertum geht gar nicht. Falls ihr Euch gerade fragt was ich meine, es geht um das Statussymbol BahnComfort-Karte. Jeder Mensch, der regelmäßig zu Stoßzeiten  pendelt, weiß was ich jetzt meine. Liebe Businessarschlöcher und Tussis (sorry für die Klischeebedienung), nur weil ihr ne Black Mamba habt, erwerbt ihr dadurch kein Recht nach meiner „Sitzplatzberechtigung“ zu fragen oder gar meine Personalien fest zu stellen. Ich weiß eine Bahncard 100 ist richtig richtig teuer. Aber wenn die Comfort-Plätze belegt sind, wäre es da nicht sinnvoller mehr Comfort-Plätze von der Bahn zu verlangen? BahnComfort für alle, anstatt alle, die keinen Anzug tragen anzupöpeln, ob sie den BahnComfort-Kunde sind. So wie mich heute. Aber denkt dran, ich antworte immer der Situation entsprechend. Ich will euch den Disput jedoch nicht vorenthalten. Da ich nicht weiß wie mein Kontrahent heißt, nenne ich der Einfachheit halber Businessfuzzi.

 

Businessfuzzi: (Lautes Räuspern) Hier dürfen nur BahnComfort-Kunden sitzen! Haben sie eine BahncardComfort?

Ich: Vielleicht!

Businessfuzzi: Ich will jetzt sofort ihre Comfort-Karte sehen und wenn sie keine haben, verlassen sie unverzüglich den Bereich!

Ich: (Leicht genervt und die Augen verdrehend) Was Sie wollen, ist mir egal, im Übrigen sind Sie weder befugt noch berechtigt, auch nur irgendwas von mir zu verlangen. Schönen Tag noch.

Businessfuzzi: So eine Unverschämtheit! Ich hole jetz den Schaffner und der verweist sie dann auf den Platz, auf den sie gehören!

Ca. 5 Min. später kommt der Businessfuzzi mit einem Schaffner im Schlepptau.

Businessfuzzi: (mit einem abschätzigem Ton in der Stimme) Das ist der unverschämte Kerl!

Schaffner: Entschuldigung, dürfte ich ihre Fahrkarte sehen?

Ich: (süffisant lächelnd) Klar! Hier meine BahnCard 100.

Schaffner: Vielen Dank. Schöne Weiterfahrt noch.

Businessfuzzi: (Kriegt keinen Ton mehr raus und geht Richtung Bord Bistro.)

Also liebe Businessfuzzis, ich weiß nicht alle von Euch sind Arschlöcher, aber seid einfach ein wenig sensibler, wenn ihr das nächste Mal Euch wie ein Arschloch verhaltet. Euer Gegenüber könnte ich sein.

Einmal Kassel und zurück

Dieser Beitrag ist entstanden durch ein spontan entstandenes Zeitfenster. Dieses Zeitfenster hatte ungefähr die Dauer von Frankfurt/Main bis Kassel-Wilhelmshöhe ohne Zwischenhalt und von dort nach Stuttgart. Denn eigentlich wollte ich nach Stuttgart, mein Zug hatte aber andere Pläne. Gemerkt habe ich das aber erst in dem Moment als die Türen zugingen und wir losrollten. Genau Freitagnachmittag und ich steig in den falschen Zug. Somit wurde wieder mal eindeutig bewiesen, dass meine Schwester und mich nicht nur unsere Eltern, sondern auch unsere Verpeiltheit eint.

Immerhin hab ich die BC100 dabei gehabt sonst, hätte mich der Spaß außer Nerven und Zeit auch noch kanpp 50 Euro gekostet. Zur Erinnerung: Anstatt Frankfurt–Mannheim–Stuttgart habe ich mich unfreiwillig, aber selbstverschuldet, für die Strecke Frankfurt–Kassel-Wilhelmshöhe–Frankfurt–Darmstadt–Bensheim–Weinheim– Heidelberg–Stuttgart entschieden. Die Rückfahrt von Kassel konnte ich auch nur durch Verhandlungsgeschick antreten, da der Schaffner wegen Überfüllung niemanden mehr reinlassen wollte. Ach ja, nach dem Wochenende habe ich Projektsitzung. Ihr ahnt schon wo – genau in Kassel!

Von Platzhirschen und imaginären Handtüchern auf Sitzplätzen

Seit kurzem gehöre ich ja zu den Pendlern. Das heisst, ich wohne in Stuttgart und mein Arbeitsplatz ist eben nicht in Stuttgart, sondern in Frankfurt. Aus Kostengründen und aus Bequemlichkeit, eigentlich hauptsächlich wegen der Bequemlichkeit fahre ich mit dem Zug und nicht mit dem Auto. Ich kann lesen, schlafen und Frühstücken.
Alles Dinge, die als Autofahrer nur unter akuter Lebensgefahr zu bewerkstelligen sind.

Doch mittlerweile kann ich sagen, auch Zugfahren ist mit unter nicht ungefährlich. Zum einen liegt das an der Qualität des Kaffees, der eine sehr stark verdauungsfördernde Funktion hat und in Verbindung mit dem Toilettenmobiliar eine prisante Mischung gibt.

Zum anderen liegt es aber auch and der Handtuchmentalität der Berufspendler. Was ich nicht wusste, aber ganz schnell feststellen musste, ist, dass neue Pendler nicht gleich Anspruch auf einen Sitzplatz haben. Denn es gibt ja schließlich Pendler, die machen das schon Jahre lang und haben so was wie Besitzstandswahrung oder gut organisierte Reservierungsgemeinschaften.

Oh Deutschland, was wärst du ohne deine Handtuchmentalität?
Falls ihr Euch je gefragt habt, wo trainieren die eigentlich für ihren Urlaub, na ja zum einen im Supermarkt an den Kassen, die fortgeschrittenen trainieren aber schon morgens zwischen 6 und 8 in den Zügen.

Einige Methoden habe ich bereits erkannt. Die begehrten Sitzplätzte, von denen ich rede, sind die BahnComfort-Plätze. Diese BahnComfort-Plätze berechtigen Vielfahrer, welche den Comfort-Status innehaben, dort auch ohne Sitzplatzreservierung einen Sitzplatz zu beanspruchen. Als Dankeschön sozusagen.

Methode 1
Der Drängler
Pendler wissen wo der exakte Haltepunkt der Tür ist. Sie versammeln sich dort und aufgrund der Schwarmintelligenz funktioniert das Einsteigen im Reissverschlussprinzip eigentlich optimal. Denn der Drängler meint es eiliger als alle anderen Passagiere zu haben, um einen Platz zu bekommen. Mit einer „lassen sie mich durch, ich bin Arzt“-Mentalität und ausgefahrenen Ellenbogen kämpft er sich durch den Zug. Er ist meist ein Einzelkämpfer und reserviert nicht für andere. Die anderen Rudeltiere, eh Pendler, strafen ihn mit Missachtung, aber er gewinnt seinen Sitzplatz.

Methode 2
Das klassische Handtuch
Es gibt Züge, die Starten erst in Stuttgart und werden meist 10 bis 20 Minuten vor Abfahrt am Gleis bereitgestellt. Meist in Wochenabständen wird in dem Fall ein Handtuchverteiler ausgewählt, der die freien Sitzplätze direkt belegt. Natürlich werden im Zug keine Handtücher genommen, aber Handtaschen. Rucksäcke und Kleidungsstücke schaffen so einer Pendlergruppe von bis zu 6 Personen einen Sitzplatz. Als Dankeschön für die Sitzplatzbereitstellung wird meist in Worten gedankt und mit einem koffeinhaltigem Heissgetränk gehuldigt.

Methode 3
Der Platzhirsch
Auch hier lässt sich ein bestimmtes Muster erkennen. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass die Bahncomfort-Plätze alle belegt sind. Die Person scannt hierzu oberflächlich die Passagiere ab. Erkennt die Person jemanden, der nicht in aussieht wie ein Berufspendler, wird zielgerichtet angsprochen, ob diese Person überhaupt BahnComfort-Status besitzt. Wenn das der Fall ist, wird in hartnäckigen Fällen ein erneuter Scan durchgeführt und das Spiel wiederholt sich. Ist die angesprochene Person jedoch kein Bahncomfort-Kunde, wird diese lautstark aufgefordert, unverzüglich den Platz zu räumen. Der Gewinner des Sitzplatzes erhält jetzt anerkennendes Nicken und erntet Lob.

Es gibt bestimmt noch mehr solcher Stereotypen von Berufspendlern und Reservierungsexperten, wenn ihr also welche kennt, her damit.

Ich bin dann ma wech und überleg mir ne Sitzplatzstrategie, die nicht auf Kleinkrieg im Zugabteil basiert.

Gesprächsfetzen im ICE – „Ich hatte einen Schwarzen und drei linke Chaoten“

Irgendwo zwischen Berlin und Stuttgart. Ich sitze im Zug auf dem Weg nach Hause. Ich sitze an einem 4er mit Tisch und bin genervt von zu vielen Stunden im Zug. In meinem Wagon befinden sich seit dem letzten Halt mehrere Polizisten. Natürlich müssen die übermotiviertesten mit Schussweste, Pfefferspray und Waffe am Anschlag genau gegenüber von mir Platz nehmen. Die Augen verdrehend will ich mich meiner Agonie und Langeweile weiter hingeben. Doch meine angeborene Neugier lässt es nicht zu und ich beginne den Gesprächsfetzen, die im Wagon umherschwirren zu lauschen. Am Anfang immer noch gelangweilt und dann immer geschockter.
Polizist A: Also ich hatte letze Woche einen Schwarzen und drei linke Chaoten.

Polizist B: So, also bei mir liefs net so gut, ich hatte nur einen Chaoten, aber der hat sich dafür gewehrt. Der durfte sich dann erstmal hinlegen.

Polizist A: Ah kenn ich, die verstehen einfach keine andere Sprache.
Ein Mitreisender klingt sich in das Gespräch mit ein.

Mitreisender: Ah, die Polizei dein Freund und Helfer, aber hier im Zug mit Schussweste. Is was besonderes?

Polizist A: Ne, nur normale Arbeitskleidung.

Mitreisender: Ich muss ja mal sagen, die Polizei wird ja immer mehr multikulti. Ich hab jetzt sogar schon dunkelhäutige bei Euch gesehen, aber wenns die in unserer Nationalmannschaft schon gibt warum dann auch net bei der Polizei.
Die Polizisten lachen.

Der Schaffner sagt den nächsten Halt an und die Polizisten und der Reisende  verlassen den Wagon Richtung Tür.

Wenn Polizisten anfangen, Rassistenbingo zu spielen, hört der Spass auf. Aber es passt ins Bild. Die NPD wird beschützt, ehemalige KKK-Mitglieder sind immer noch im aktiven Polizeidienst, die anhaltenden Skandale um den Verfassungschutz usw.

Die Zeiten werden rauer. Organisiert Euch! Antifaschismus und Aufklärung sind nötiger denn je.