Demofotografie ist kein Sensationsjournalismus

Wer meinen Blog kennt, weiß dass ich ab und an auch als Demofotograf unterwegs bin. Doch was ist eigentlich Demofotografie und warum mache ich das eigentlich? Schon länger spiele ich mit dem Gedanken mal einen Blogpost über Demofotografie zu schreiben. Die letztendliche Motivation bekam ich aber im Zusammenhang mit den Berichten über die Proteste gegen die rechte Hooligan-Demo in Ludwigshafen im Februar. Ich war ja an diesem Tag  in LU unterwegs und hab meine Eindrücke geschildert. Auch Nathan hat in seinem Blog bullenscheiße| Nein nicht die Polizei eine Zusammenfassung geschrieben. In diesem Post hat er unter anderem meinen Blogbeitrag verlinkt und sich positiv darüber geäußert, dass ich eben nicht einfach nur meine Fotos online gestellt habe, sondern dass ich die Gesichter der AntifaschistInnen verpixelt habe. Soviel zur Motivation warum ich jetzt einen Beitrag über Demofotografie schreibe.

Demofotografie als Möglichkeit der Gegenöffentlichkeit
In erster Linie geht es darum, eine gewisse Gegenöffentlichkeit zu schaffen. Fortschrittliche Aktionen und Proteste werden in der medialen Öffentlichkeit meist ignoriert, verschwiegen oder versucht zu kriminalisieren. Als Demofotograf hat man also die Möglichkeit, die meist einseitige Berichterstattung zu entlarven und den BetrachterInnen eine andere Perspektive zu ermöglichen. Dabei gilt: Demofotografie ist kein Sensationsjournalismus! Es geht darum, Zeitgeschehen zu dokumentieren und nicht darum, sensationsgeil auf Krawall und Remidemmi zu warten, um sein Foto meistbietend an irgendeine Journaille zu verkaufen.

Absprachen mit den VeranstalterInnen sind notwendig
Es hat sich bewährt, mit den VeranstalterInnen der Proteste im Vorfeld in Kontakt zu treten. Zum Einen schafft es eine gewisse vertrauensvolle Basis, denn schließlich ist man als Fotograf ja auch in der Verantwortung zu sagen, was man mit den Bildern macht. Ich persönlich hätte da auch keinen Bock drauf, wenn irgendwelche Leute wild hin und her fotografieren. Außerdem finde ich es selbstverständlich auch zu fragen, ob denn eine fotografische Begleitung der Proteste oder Aktionen überhaupt erwünscht ist. Wenn nämlich keine fotografische Begleitung erwünscht ist, weil beispielsweise schon genügend oder eigene DemofotografInnen vor Ort sind,  sollte man den Wunsch respektieren und die Kamera zu Hause oder im Auto lassen. Es hat auch seinen Charme sich selbst an den Protesten zu beteiligen anstatt sie zu dokumentieren.

Repressionsschutz hat oberste Priorität
Wenn du aber doch als Demofotograf unterwegs sein solltest, gibt es gewisse Dinge, die du beachten solltest. Nimm nur leere Speichermedien mit. Das letzte Fotoschooting mit deinen  FreundInnen nimmt dir nur Speicherplatz weg und hat für den Fall, dass die Polizei deine Ausrüstung beschlagnahmt eh nix in deiner Ausrüstung verloren.
Halte dich an die Absprachen, die du mit den VeranstalterInnen abgeklärt hast. Wenn du die Fotos nach den Protesten dann bearbeitest, stelle sicher, dass die DemoteilnehmerInnen danach nicht mehr zu erkennen sind. Dies bedeutet im Einzelfall auch mal mehr als nur die Gesichter zu verpixeln, sondern vielleicht auch Tattoos oder besonders auffällige Kleidungsmerkmale. Schließlich geht es ja um den Gesamtkontext und nicht darum einzelne Personen zu erkennen. Die restlichen und originalen Bilder sollten schließlich gelöscht werden und zwar unwiderbringlich. Generell gilt: In zweifelhaften Situationen lieber kein Bild zu machen als eins zu viel. Die Rote Hilfe Hamburg hat hierzu auch einen Flyer rausgebracht, der sich mit dem Thema Fotos und Videos von Privatpersonen auf Demos auseinandersetzt.

 

 

 

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