Demo, Pyro, Repression. Eine Zusammenfassung.

Es ist Sonntag der 08. Februar 2015. Es ist kalt, es ist windig und ab und an fallen ein paar Schneeflocken. Eigentlich hätte es ein ganz normaler Sonntag sein können. Einem an dem man sich freut, nur zum Essen von der Couch aufzustehen und sich am Abend über den Tatort aufzuregen. Stattdessen ging es aber nach Ludwigshafen, um gegen die angekündigte Kundgebung des  rechten HoGeSa-Ablegers zu demonstrieren. Und da ich schon lange nicht mehr als Demofotograf unterwegs war, machte auch ich mich mit weiteren Demofotografen und AntifaschistInnen auf den Weg. Erstes Ziel war aber nicht Ludwigshafen, sondern Mannheim. In Mannheim organisierte das Bündnis Mannheim gegen Rechts eine Demo in die benachbarte Stadt Ludwigshafen, um die Ludwigshafener zu unterstützen. Rund 1000 Menschen versammelten sich so schließlich morgens um 10.00 Uhr auf dem Mannheimer Paradeplatz, um gen Ludwigshafen zu ziehen. Auch ein antifaschistischer Block formierte sich in der Demo.

Bereits auf dem Weg nach Ludwigshafen machten die AntifaschistInnen mit einer pyrotechnischen Einlage klar, dass sie es nicht bei einem symbolischen Protest mit Bratwurst und PolitikerInnen belassen wollen. So war es eigentlich auch absehbar, dass am Bürgerfest angekommen, ein Großteil der Demo weiter in Richtung Aufzugstrecke der rechten Hools zog. Die AntifaschistInnen ließen sich hier weder von losen Barrikaden noch von einzelnen Polizeikräften aufhalten und zogen lautstark unter weiterem Einsatz von Pyrotechnik in Richtung des Ludwigshafener Bahnhofs. Kurz vor dem Ziel wurden sie jedoch von schnell anrückenden BFE-Einheiten daran gehindert, den Bahnhofsvorplatz zu besetzen und mit Pfefferspray und Schlagstöcken in einen Polizeikessel gedrängt.

Auch wenn das vermutete Ziel der Platzbesetzung nicht erreicht wurde, war man so immerhin in Hörweite und nicht einen Kilometer entfernt. Dieser Erfolg wurde jedoch mit einem hohen Preis erkauft. Denn alle AntifaschistInnen, die diesen Weg genommen hatten, wurden bis zu 4 Stunden eingekesselt und verbrachten anschließend noch weitere Stunden in Polizeigwahrsam. Aufgrund der vielen Ingewahrsamnahmen gab es nicht nur eine, sondern sogar zwei Gefangenensammelstellen. Erst gegen 23 Uhr waren die letzten AntifaschistInnen wieder frei.  Ob der Gegenprotest erfolgreich war, ob er zu militant oder zu wenig entschlossen war, obliegt nicht mir oder meiner Einschätzung. Was ich aber auf jeden Fall bewerten kann und will ist kurz gesagt.

Ich persönlich finde es unverantwortlich und beschämend, dass Menschen, die sich gegen Nazis engagieren, bis zu 7 Stunden, davon die meiste Zeit ohne Essen und Trinken und die Möglichkeit aufs Klo zu gehen, mehr oder weniger grundlos festgehalten werden. Weiterhin finde ich es mehr als befremdlich, wenn auch nicht unerwartet, dass viele Polizisten keine Ahnung davon haben, was Pressefreiheit bedeutet. Letztendlich finde ich es aber am schlimmsten, in einer Gesellschaft zu leben, die solche Nazi-Hool-Versammlungen ermöglicht.

Soviel also zum gestrigen Tag.

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