Keinen Meter!

Es ist Samstag, der 25.05.2013 6:00 Uhr morgens als der Wecker klingelt. Müde aber motiviert stehe ich auf. Der Auftrag ist klar: Die Nazis wollen marschieren und wir werden blockieren! Landesweit wurde unter dem Motto „… Den Nazis keinen Meter!“ zu Blockaden aufgerufen. Also los, Essen und Trinken einpacken. Die Kamera bleibt diesmal zu Hause, dafür wird der Notizblock eingepackt. Auf zum Zugtreffpunkt und los geht’s.

Planung ist das halbe Leben.

Am Zugtreffpunkt warten ca. 100 AntifaschistInnen mit mir gemeinsam auf den Zug. Der Zug kommt, wir steigen ein und die Fahrt beginnt. Kaum haben wir den Bahnhof verlassen, werden auch schon Zettel mit wichtigen Informationen verteilt, wie z.B. die Nummer der Demosanis oder die Telefonnummer des Ermittlungsausschusses (EA). Außerdem wird eine Karte rumgereicht, die das Umfeld des Karlsruher Bahnhofs skizziert. Schnell wird klar, dass AntifaschistInnen organisiert zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen.

Eine Zugfahrt, die ist lustig!

Kurz vor Pforzheim kommt es allerdings zu einem lustigen bis fast skurillen Intermezzo. Anscheinend hat der zuständige Zugschaffner versucht, die Mitreisenden zu kontrolieren, was im aber nicht gelang. Also macht er das, was wahrscheinlich im Handbuch steht: In Pforzheim lässt er den Zug stoppen, holt die Polizei und versucht die Reisegruppe mit den Fahnen von der Fahrt auszuschließen. Nach ca. 15 minütigen mitunter lautstarken Verhandlungen entscheidet sich der Schaffner allerdings die „Reisegruppe“ weiterfahren zu lassen. Aufgrund der doch sehr gereizten Lautsprecherdurchsage vermute ich jedoch, dass diese Entscheidung nicht selbstbestimmt vom Schaffner getroffen wurde. Egal, die Fahrt geht weiter und verläuft ab jetzt ungestört bis zum Zielbahnhof in Karsruhe.

War das nicht der richtige Weg?

In Karlsruhe angekommen werden wir bereits erwartet: Mehrere Duzend schwer gepanzerte Einheiten der Bundespolizei sind anscheinend zur Amtshilfe für den Schaffner abgestellt worden. Denn nur wer einen gültigen Fahrausweis habe dürfe das Gleis in eine vorgegwbene Richtung verlassen. Nach einigen Minuten dürfen dann doch ohne weitere Vorkontrollen die DemonstrantInnen das Gleis verlassen. Durch Hamburger Gitter ist der Weg jedoch im Bahhofsgebäude vorgegeben. Da am Nachbargleis keine Gitter standen, ging es dann eben über das Nachbargleis zum geplanten Zielpunkt der Poststraße. Den hektisch wirkenden Beamten zur Folge und der Versuch diesen Gleizugang nachträglich abzusperren, ist allerdings zu entehmen, dass dies nicht die von der Stadt und Polizei geplante Route war.

Die Blockade steht.

Im Laufe des Vormittags sind alle möglichen Routen von AntifaschistInnen blockiert. Insgesamt über 2000 Menschen beteiligen sich an den Blockaden. Jetzt heißt es abwarten. Durch Skandieren von Parolen, Rütteln am Gitter und den Einsatz von Pyrotechnik wird immer wieder deutlich, dass der Antifaschistische Protest entschieden und kämpferisch ist. Die Stimmung ist gut! Alle Blockadepunkte stehen. Doch die Polizei rüstet merklich auf. Greiftrupps streifen durch die Blockadepunkte, können jedoch mehrfach daran gehindert werden, einzelne AntifaschistInnen heraus zu greifen. Der Schlagstock sitzt jetzt jedoch um einiges lockerer und auch die Luft wird häufiger mit Pfeffer angereichert. Es gelang der Polizei trotzdem einige AnitfaschistInnen fest zu nehmen.

Die Nazis laufen keinen Meter!

Es ist mittlerweile kurz nach 14 Uhr und knapp 200 Nazis stellen sich in dem  abgesperrten Bereich auf dem Bahnhofsvorplatz auf. Die Stimmung ist jetzt um einiges  aufgeheizter. Und obwohl es einige Male den Anschein hatte, dass die Polizei die Blockaden räumen wollte, gelang es ihnen nicht. Die Blockaden wurden erfolgreich gehalten und so blieb es dabei, dass die Nazis in Karlsruhe keinen Meter ihrer Demo durchführen konnten und nach einer Kundgebung auf dem Bahnhofsvorplatz Karlsruhe wieder verlassen mussten.

Antifa-Demo durch die Südstadt

Dieser Erfolg musste gefeiert werden! Und der beste Weg eine verhinderte Demonstration zu feiern ist … Na? Genau, eine Demonstration!
Nach der erfolgreichen Blockade versammelten sich deshalb über 400 AntifaschistInnen zu einer spontanen und kämpferischen Demonstration durch die Südstadt und wieder  zum Bahnhof zurück.Nach der Demo ging es dann direkt zum Zug Richtung nach Hause. Entspannt und auch ein wenig ausgelaugt machte es sich jetzt jeder bequem und freute sich auf das Wochenende.

War das schon alles?

Mein Papa hat mal gesagt: „Du bist erst zu Hause, wenn du zu Hause bist.“ Er meinte damit: Konzentriere dich bis zum Ende und geh nicht schon vorher in den Stand-By-Modus. Wie Recht er damit hat, wurde gerade gestern wieder deutlich. Weil die Nazis in Karlsruhe nicht marschieren konnten, suchten sie sich Alternativen. Eine davon war Mühlacker. Unser Zug fuhr durch Mühlacker und hielt dort sogar an. Es kommt sogar noch krasser: Genau diesen Zug hatte sich die Polizei ausgesucht, um die Nazis kontrolliert aus Mühlacker raus zu schaffen. Ihr könnt Euch vorstellen, dass die folgende Zugfahrt weder ruhig noch kontrolliert von Mühlacker bis Stuttgart ablief.

Pfefferspray in vollen Zügen genießen!

Pfeffersprayeinsatz und körperliche Gewalt seitens der Polizei war die Folge. Auch in Stuttgart angekommen wurden die Nazis von AntifaschistInnen lautstark in Empfang genommen und konnten nur durch starken Polizeischutz in die weiterführenden Züge geleitet werden.

Jetzt war aber wirklich alles vorbei und nach einem kurzen Abstecher ins Lilo ging’s dann auch nach Hause.

 

weitere Bilder von RiotDog-Louk gibt es hier und ein Bericht des AABS hier

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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